Es wird oft von „Chancengleichheit“ gesprochen. Weniger oft wird davon gesprochen, die Menschen einfach gleich zu behandeln, unabhängig von ihrem Status, ihrer Staatsangehörigkeit, ihres Aussehens. Da fällt mir die Geschichte von Chao-chou (Zhaozhou) ein, der alle Mönche unabhängig von ihrer Erfahrung gleich behandelte. Allen die mit ihm sprachen, bot er eine Schale Tee an: „Nimm eine Schale Tee“. Auf die Frage des Oberhaupts der Mönche, dem Inju, wie es komme, dass er die Mönche ganz gleich behandele, ob sie nun schon lange hier seien oder nicht, antwortete Chao-chou: „O Inju, nimm eine Schale Tee“. Diese Gleichbehandlung führt nicht dazu, dass alle GLEICH sind, aber sie führt zu Menschlichkeit und zu mehr Chancengleicheit. Vielleicht hat Chao-chou das Grundgesetz im 9. Jahrhundet bereits vorausgesehen und Meschenwürde, Menschenrechte, Gleichberechtigung, keine Benachteiligung etc. bereits in die Formel „Nimm eine Schale Tee“ gebracht.
Letztlich führt Gleichbehandlung dazu, dass verschiedene Stimmen gehört werden und versucht wird, hieraus eine gemeinsame Lösung zu erschaffen. Eine Lösung, die in einer funktionierenden Demokratie viel stärker die Menschen der heutigen und der zukünftigen Generationen schützt und daher nachhaltiger ist, als einsame Entscheidungen von wenigen, umso mehr, wenn diese Wenigen auch noch verrückt sind.